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🎒Eine kleine Schule, viele Begegnungen

  • Autorenbild: Florence Bernhard
    Florence Bernhard
  • vor 3 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit


Es ist ein sehr kalter Vormittag Anfang Januar, als ich an dieser kleinen Schule ankomme. Während ich das Schulleitungsbüro suche, entstehen erste Begegnungen. Ein kurzer Gruss auf dem Gang, ein paar Worte im Vorbeigehen...herzliche und warme Worte tun an diesem kalten Morgen gut.


Von der Schulleiterin Karin Wolfer werde ich herzlich empfangen und sofort sind wir vertieft im Austausch. Sie erzählt von ihrem Alltag, von Menschen, mit denen sie arbeitet, von Eltern und von Kindern. Es sind viele Situationen aus dem sehr lebendigen Alltag dieser kleinen Schulgemeinschaft. Karin ist nahe beim Team, sagt sie. Sie merkt, wenn jemand müde wirkt oder angespannt ist. Gespräche beginnen früh, oft ganz nebenbei.


Zum Team gehören hier Putzequipe, Lehrpersonen, Schulpflege, Fachlehrpersonen, Assistenzen, Hauswart. In ihren Erzählungen stehen sie ganz nahe nebeneinander. Eine Rückfrage am Morgen, eine kurze Absprache zwischendurch, ein gemeinsamer Blick auf eine Situation. Verantwortung wird im Alltag von mehreren getragen, sie verteilt sich auf verschiedene Personen im Team.


Auch Eltern sind immer wieder Teil ihrer Erzählungen. Begegnungen am Rand des Schulalltags, Gespräche, Absprachen, welche ihnen wichtige Informationen liefern. Karin erzählt, wie wichtig ihr diese Nähe ist - auch zu den Eltern. Fragen oder spezifische Themen tauchen somit früh auf, oft im Gespräch nebenbei.


Dann hält sie kurz inne und sagt einen Satz, fast beiläufig:„Auch wir stossen manchmal an Grenzen und müssen den Graubereich vergrössern...auch wir kochen nur mit Wasser.“

Ich nicke und denke nach.

Im weiteren Gespräch wird mir klar, wie konsequent an dieser Schule das Kind mitgedacht wird. Wie sorgfältig darauf geachtet wird, dass jedes Kind seinen Platz hat und im Schulalltag dabei bleiben kann. Teilhabe zeigt sich hier überall.


Gemeinsames Nachdenken über das Alltagsgeschehen

Ein Teil des Austauschs im Team hat feste Zeiten. Lehrpersonen haben im Berufsauftrag Raum für Klassenkonvente. Diese Zeit gehört den Klassenteams. Sie nutzen sie, um über das zu sprechen, was ihnen im Alltag begegnet ist. Über Kinder, Situationen oder kleine Verschiebungen. Wie diese Gespräche aussehen, entscheiden die Teams selbst. Manchmal bleiben sie kurz, manchmal brauchen sie mehr Zeit und Raum.


Daneben gibt es ein weiteres Austauschformat, das mich besonders fasziniert hat und im Team regelmässig genutzt wird: die SoKo – die sonderpädagogische Kommission.

Drei Mal im Jahr kommen für jeweils zwei Stunden unterschiedliche Fachpersonen zusammen: Schulpflege, Schulpsychologin, schulische Heilpädagog:innen, Schulleitung, Logopäd:innen und weitere Beteiligte. Die Treffen folgen einer klaren Struktur.

In einem gemeinsamen Dokument werden Fragestellungen zu einzelnen Kindern festgehalten. Es geht darum, gemeinsam zu klären, wo Unterstützung notwendig ist, wo noch Fragen offen sind und wo Prozesse ins Stocken geraten. Ebenso wird sichtbar, wo Kinder - und auch die beteiligten Fachpersonen - im Moment gut weiterkommen.

Aus inklusiver Perspektive ist dieses Format des Austauschs zentral: Es verbindet Fachlichkeit, Verantwortung und Beziehung. Entscheidungen entstehen im gemeinsamen Abwägen und tragen am Ende mehrere Handschriften. Gerade in komplexen Situationen wirkt das entlastend und bereichernd.


Auch ausserhalb dieser festen Zeiten bleibt der Austausch präsent. Lehrpersonen wissen, dass sie Unterstützung erhalten, wenn Situationen anspruchsvoll werden.


Als ich die Schule wieder verlasse, bleiben viele inspirierende Eindrücke. Im Gespräch mit Karin wird für mich deutlich, wie der Schulalltag getragen ist: durch kurze Absprachen, gemeinsames Nachdenken und eine Haltung, die Fragen und auch Fehler zulässt.


Danke, liebe Karin Wolfer und ihrem Team! Danke für die Offenheit, die Zeit und die Gespräche und dafür, dass ich so willkommen war🙏!

 
 
 

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